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Mittwoch, 16. Mai 2012

Otterberg und die Zisterzienser

Otterberg und die Zisterzienser "Wer Otterberg nicht kennt, kennt die Zisterzienser nicht ganz...", so schreibt Dehio in seinem Kunstführer über die Pfalz. In der Tat ist die ehemalige Zisterzienserabteikirche eines der besterhaltensten Sakralgebäude aus der Blütezeit des Ordens. Durch ihre klare Sachlichkeit und ornamentale Strenge ist sie ein Musterbeispiel für die Ordensregeln der weißen Mönche. Mit fast 80 Metern Gesamtlänge, ist sie, auch ohne Türme, ein imposantes Gebäude. Die spätromanische und frühgotische Kirche ist komplett original erhalten und vermittelt dem interessierten Betrachter einen burgundischen Eindruck. Seit dem Ende der Renovierung ermöglicht die Kirche wieder einen imposanten Einblick in die mittelalterliche Baukunst.

Von den mittelalterlichen Klosterbauten sind auf den ersten Blick kaum Reste erhalten geblieben, aber mit geschultem Auge oder unter sachkundiger Führung sind noch mehr Relikte zu entdecken. So der Kapitelsaal, ein romanischer Saal von 1185 mit 3 hochgotischen Fenstern, der den Mönchen als Versammlungsraum diente. Auch vom Abthaus aus dem 14. Jahrhundert sind noch Giebel, Erker und Fenster vorhanden. Zweitverwendete Steine finden sich fast im gesamten Altstadtgebiet. Teile der mittelalterlichen Umfassungsmauer vervollständigen das Bild.


Otterberg und die Wallonen

Haus Karch

Im Zeitalter der Reformation wurden die aus der Wallonie, heute der französischsprachige Teil Belgiens, vertriebenen Calvinisten in der Kurpfalz angesiedelt. Eine dieser Exulantensiedlungen war das alte Kloster in Otterberg.

So geht die Gründung der weltlichen Siedlung auf den Einzug der Wallonen im Jahr 1579 zurück. Durch deren handwerklichen und wirtschaftlichen Fleiß wuchs die junge Siedlung rasch und bekam bereits 1581 Stadtrechte. Aus dieser Blütezeit, die bis zum Dreißigjährigen Krieg dauerte, sind zahlreiche Fachwerkbauten erhalten.

Aber auch die Zeit des 18. Jahrhunderts hat ihre Spuren im Stadtbild hinterlassen. So stammt das barocke Rathaus, heute Heimatmuseum, einige Bürgerhäuser und das reformierte Schulhaus aus dieser Zeit. Damals begann man schon Französisch als Umgangssprache abzulegen und sich mehr und mehr auf Deutsch zu verständigen. Heute zeugen noch Familiennamen und alte Grabsteine von dieser französischen Tradition. Auch Volksfeste, wie das historische Frühlingsfest, das alle 2 Jahre im Juni mit einem farbenfrohen Festzug gefeiert wird, haben ihre Wurzeln in dieser Zeit.